Grenzstreifung DDR (#4) – Die Mauer

Berlin, Mitte der 80er Jahre

Die Mauer ist ungefähr 155 km lang.
Sie reicht einmal um West-Berlin herum.
Geht oder fährt man immerzu geradeaus steht man irgendwann an der Mauer, an der Spree oder an einem Grenzübergang.

Die Mauer, das sind eigentlich zwei Mauern:
Hinterlandmauer: 2-3m hoch, Beton, Metallgitter, manchmal ehemalige Häuserwand
West-Berlin zugewandte Mauer: 3-4m hoch, Betonplatten, und auf der Krone eine Betonröhre von 50cm Umfang, an der man keinen Halt findet.

Vor der West-Berlin zugewandten Seite der Mauer ist noch das „Unterbaugebiet“, mal schmaler mal breiter – ein Stück Land, das noch zur DDR gehört. An manchen Stellen teilt die Grenze Straßen der Länge nach und verläuft auf dem Gehweg oder direkt an den Häuserfronten zu den Häusern auf der Westseite. Da ist die Mauer soweit auf DDR Territorium zurückgesetzt, dass die Menschen ihre Häuser betreten können.
Man kann also diesseits der Mauer entlanggehen und sich trotzdem in der DDR befinden.

Zwischen den beiden Mauern gibt es eine Menge Aufwand, der die Menschen an der Republikflucht hindern soll: Wachtürme mit Suchscheinwerfern, Kontaktzäune und Signaldrähte – so werden Grenzposten alarmiert bzw. Leuchtkugeln ausgelöst, Fahrzeugsperren – KFZ-Gräben und spanische Reiter, der Kontrollstreifen – geharkte Sandflächen auf denen man Fußspuren sieht, die Lichtanlage, die auf dem Todesstreifen die Nacht zum Tage macht, Patrouillen zu Land und zu Wasser, Posten, die Anweisung haben zu schießen, wenn Flüchtende auf Zuruf nicht stehenbleiben.

Betreten nur mit Dokumenten des grenzüberschreitenden Verkehrs gestattet

Dann sind da die berüchtigten Hundelaufanlagen. An manchen Stellen sind Hunde, denen man Laufleinen angelegt hat, die wiederum an einem Drahtseil befestigt sind, so dass die Hunde auf einem bestimmten Areal “frei” herumlaufen können.
Es gibt die wildesten Gerüchte über diese Hunde. Das seien bösartige Bestien, die alles anfallen sollen, was sich bewegt und die, um sie noch aggressiver zu machen knapp im Futter gehalten werden.
Nach dem Mauerfall wurden viele der Hunde über den Tierschutzverein an Tierfreunde vermittelt. Die Hunde waren gesund, gut genährt und überwiegend freundlich. In den Laufanlagen, in denen manche der Tiere nur noch neurotisch im Kreis herumliefen, standen wohl viele nervlich dermaßen unter Dampf, dass sie beim kleinsten Geräusch losbellten.
[Es gab 1994 einen guten Titel-Artikel im Spiegel, der auch im Online Archiv zu finden ist. Heft Nr. 6]

Die Flächensperren, die man in West-Berlin “Stalinrasen” nennt, mit langen Dornen besetzte Metallgitter, die dort wo Häuser nahe der Mauer standen und an schwer einsehbaren Stellen ausgelegt wurden, hat man Anfang der 80er Jahre entfernt. Obwohl sie zwischendurch immer wieder einmal verwendet worden sein sollen – zum Beispiel an der Versöhnungskirche bevor diese gesprengt wurde, sagt man mir.
Von den Stalinrasen bekomme ich Alpträume. Ich weiß [zu der Zeit] nicht mal wie die Dinger aussehen, aber als M. davon erzählt, von den Schreien Flüchtender, die auf so eine Sperre gefallen sind, ist das schon mehr, als ich je wissen wollte. Ich halte mir die Ohren zu und rufe “Hör auf, ich will das nicht hören. Das ist grauenhaft!”.
M. zuckt die Achseln und sieht mich so ein bisschen mitleidig-verächtlich an.
Ich kann nichts dafür. Ich bin ziemlich empathisch und bei solchen Schilderungen fange ich an zu weinen. Und ich weiß auch, dass ich dieses Wissen nie wieder loswerde. Es ist abgelegt unter “Dinge, die Menschen Menschen antun” und es kann mich jederzeit und unvermittelt wieder heimsuchen.
Mittlerweile sind die Dinger Museumsexponate.

http://www.ipernity.com/doc/26252/10353274

Minenfelder und Selbstschussanlagen (also Splitterminen, die durch Drahtberührung ausgelöst werden) gab es übrigens nie an der Grenze zu Berlin. Es wäre für die DDR ein PR-Desaster gewesen, wenn da ein Flüchtiger im Angesicht der Westmedien auf eine Mine getreten oder in den Geschosshagel einer SM70 geraten wäre.

Die Bezeichnung “Mauer” hat übrigens Walter Ulbricht zuerst benutzt, als er am 15.6.1961 darauf hinwies, dass niemand die Absicht habe, eine solche zu errichten.
Wer sich den, in der DDR offiziell verwendeten Euphemismus “antifaschistischer Schutzwall” hat einfallen lassen, ist mir nicht bekannt.

Achtung Sektorengrenze!

Die West-Berlin zugewandte Seite der Mauer ist eine Riesenmal- und -schreibfläche.
Man hinterlässt seinen Namen (“Karl was here”, “Steffi was here”) gerne auch mit Datum, dumme Sprüche ( “Ich geh kaputt, gehst du mit?” “Legalize Erdbeereis” „Erich komm raus!“), Liebesgeständnisse, Beschimpfungen, Kommentare zur aktuellen Politik, Kommentare zur Mauer. Mehr oder weniger talentierte Künstler verzieren die Mauer mit Strichmännchen, Comicfiguren, kunstvollen Bildern und Kunstprojekten.
Zu den beliebtesten Motiven, die da an die Betonwand gemalt oder gesprayt werden gehören – neben Kilroy – Leitern, Türen, Löcher

http://www.graffiti.org/berlin/berlin_1.html

Sie verlassen jetzt West-Berlin“ steht auf dem Schild vor der Mauer vor dem Brandenburger Tor. Jemand hat dann irgendwann die völlig berechtigte Frage “Wie denn?” drauf geschrieben.
Hier scheint “Wie denn?” zu “Wotan” mutiert zu sein:

http://einestages.spiegel.de/static/document/644/warnschild.html?d=IMAGE%2CSPON_VIDEO%2CPDF&o=original_publicationdate-DESCENDING&s=38100&r=50&of=35&z=50&cp=762&c=1

[Auf dem verlinkten zeitgenössischen Foto ist übrigens auch ein Kilroy zu sehen (für Blindfische: links auf der Mauer)]

Die Hinterlandmauer ist nackt.

Filme Souvenirs Getränke

Die Mauer ist eine tolle Film- und Fotokulisse.
Touristen, Politiker, Stars und Sternchen lassen sich vor der Mauer fotografieren
Filme werden an der Mauer gedreht. Filme über die Mauer werden gedreht.
Musiker lassen sich an der Mauer fotografieren, drehen dort Filme und Musikvideos und veranstalten Konzerte.
Mein Lieblings-Mauer-Musik-Video (eigentlich eine Fernsehaufnahme im Rahmen vom Rockpalast) ist das “Naturkatastrophenkonzert” von “Die tödliche Doris”.

http://www.youtube.com/watch?v=t4JZrtYXW9E

Der Clip-Untertext stimmt übrigens nur halb: Nur das linke Haus (an der Adalbertstrasse) steht in Ost-Berlin. Die Kirche, rechts im Bild, steht im Westen.

Wenn man länger in Berlin ist, wird die Mauer zum Alltag.
Oft sieht man sie nicht mehr, nimmt sie nur noch wahr, so wie man eine eine Hauswand, eine Bushaltestelle oder eine Laterne wahrnimmt. Man denkt nicht jedesmal “Oh, die Mauer!”, man registriert sie nur, halb unbewusst und läuft immer an der Wand lang.

Menschen leben mit der Mauer und neben der Mauer.
Es gibt Hinterhöfe, Gärten, Schrebergärten, Spazierwege und neben der Mauer.
Im Schatten der Mauer werden Kartoffeln gepflanzt, Rosen geschnitten, Teppiche ausgeklopft, wird Kaffeeklatsch gehalten, Wäsche aufgehängt, Radio gehört.
Im Schatten der Mauer steht ein Kinderplanschbecken, ein Grill mit Würstchen drauf, ein Kasten Bier, eine Gießkanne, ein Kirschbaum.
Im Schatten der Mauer spielen Kinder. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?, Flohhüpfen, Fußball: Wenn der Ball über’s Tor hinausfliegt – Pech gehabt.

Hunde pinkeln an die Mauer. Männer pinkeln an die Mauer. Leute werfen nachts heimlich Sperrmüll an die Mauer. Kinder werfen Knallfrösche über die Mauer. Jugendliche werfen Flaschen an der Mauer kaputt.

Eine Busladung Touristen ergießt sich an einer markanten Stelle, an der mindestens eine Besucherplattform, oft auch ein Wurstmaxe, ein Eiswagen und/oder ein Andenkenstand sind. Sie machen Fotos. Sie kritzeln irgendwas auf den Beton. Sie werfen Getränkedosen, Bonbons, Zigarettenschachteln, Pornohefte über die Mauer.

Eine junge Frau klettert auf eine Besucherplattform, ruft die Wachposten, winkt ihnen zu, zieht ihr T-Shirt hoch und zeigt den Posten ihre Brüste.

Ein Mann steht an der Ecke Lindenstraße (heute Axel-Springer-Straße) und Kommandantenstraße mit dem Gesicht zur Mauer und dreht sich, als eine Freundin und ich vorbeigehen, zu uns um, um uns seinen Schwanz zu zeigen. “Bleibt ei’m ooch nüscht erspart,” kommentiert S. trocken.

Achtung Lebensgefahr! Wasserstraße gehört zum Ostsektor von Berlin

Am Gröbenufer ist es in der Abenddämmerung sehr schön, wenn man die Hinterlandmauer auf der anderen Seite und die Patrouillenboote übersieht und, wenn man vergisst, dass hier in den Siebziger Jahren mehrere Kinder ertrunken sind. Die Rettungskräfte konnten sie nicht aus dem Wasser holen, weil die Spree an dieser Stelle Hoheitsgebiet der DDR ist.
Später hat man dann so gestreifte Notrufsäulen am Spreeufer aufgestellt, mit denen West-Berliner Rettungskräfte alarmiert werden konnten und gleichzeitig die Patrouillenboote durch eine Warnleuchte informiert wurden.

Immer wieder irgendwo in Berlin Kreuze und Blumen.
Am bekanntesten sind die Kreuze in der Bernauer Straße, in der Zimmerstraße, am Reichstag. Immer wieder Stellen an der Mauer, an der Spree wo Menschen Blumen niederlegen.

N. wohnt in Kreuzberg
An einem lauen Sommerabend fahren wir ihn das erste Mal besuchen. Ich lehne am offenen Fenster, schaue beiläufig, wie man das manchmal so macht, hinaus und denke “Was ist das denn für ein hässlicher Parkplatz?”
Dann sehe ich den Wachturm und mir rutscht ein “Ach du Scheiße!” raus.
Da ich mit Besucherplattformen so meine Schwierigkeiten habe, kenne ich den Todesstreifen nur von Fotos. Die unerwartete Aussicht aus N.’s Fenster erschreckt mich und ich flüchte schnell ins Innere der Wohnung.
N., der meinem Blick gefolgt ist, sagt: “Ach, das.”
Für ihn ist das durch Gewöhnung kein besonderer Anblick. Seine Probleme mit der Mauer sind praktischer Natur. Eine der Lampen scheint in sein Zimmer und er ist gezwungen nachts einen Vorhang vorzuziehen, weil er sonst nicht schlafen kann, obwohl er Vorhänge eigentlich nicht mag.

Fin du Secteur Français

J., der jwd in Neukölln wohnt, ist etwas blass um die Nase und erzählt, er sei früh morgens von Lärm und Hektik wach geworden, von Explosionen. Dann haben Anwohner erzählt, jemand sei wohl im Grenzstreifen erschossen worden.
Ich – und vermutlich nicht nur ich – denke, er hätte sich das als Ausrede für sein Zuspätkommen ausgedacht. Das alles scheint eine Spur zu dick aufgetragen. Mittags hören wir es dann im Radio.
Bis zu J.’s Geschichte war ich ahnungslos unterwegs – ich kann einen Schuss nicht von einer Fehlzündung oder von einem verfrühten Chinaböller unterscheiden.
Nun machen mich auch Fehlzündungen und Chinaböller nervös, wenn ich in Hörweite der Mauer bin.

Halt Hier Grenze!

Ein anderes Mal in N.’s Wohnung in Kreuzberg.
Ich sitze am Küchentisch auf der Eckbank am Fenster. N. macht Tee, knipst das Licht in der Küche an, weil es dämmert. Drüben, auf der anderen Seite der Grenze gehen auch nach und nach Lichter an.
N.’s Wohnung ist einer der Orte in Berlin an denen mir die Existenz dieser Grenze deutlich bewusst ist.
Gleichzeitig ist es ein Ort, wo ich die Nähe der anderen Seite schmerzlich wahrnehme, gerade in Momenten wie diesen. Blaue Stunde dies- und jenseits der Mauer.
Wäre das nicht der Grenzstreifen sondern wirklich nur ein hässlicher Parkplatz, ein Hinterhof, dann wäre das gar keine Entfernung.
Man würde sich kennen, sich beim Bäcker, an der Haltestelle, in der Kneipe treffen. Man würde die Leute aus den Häusern gegenüber kennen. Nette Leute, doofe Leute und die Sorte Leute, denen man am liebsten eine scheuern würde.
Tratschtanten, die den neusten Klatsch austauschen, Besoffene, die sich von Laterne zu Laterne nach Hause hangeln, freche Gören, die an den Türen klingeln und dann abhauen, Rentner, die auf ihrer mit Kissen gepolsterten Fensterbank lehnen und das Treiben auf der Straße beobachten – Nachbarschaft halt.
“Du hast dummerweise die Politik außer Acht gelassen,” sagt die Peitschenlampe vor N.’s Fenster und schlägt mir die Sterne in die Augen.

Vy vyezzhaete iz amerikanskogo sektora

Ja, die Lampen – Nachts ist der Todesstreifen wunderschön anzusehen, zumindest, wenn man ein wenig auf Distanz geht.
Die Vogelperspektive ist noch nicht so ganz das Gelbe – da könnte man den Grenzstreifen auch für eine Straße halten.
Aber überall, wo man ein längeres Stück Mauer und Beleuchtung erblicken kann, sehen diese gleichmäßig aufgereihten Lampen aus wie Perlen aus Licht.
Wenn man durch die Stadt läuft, sieht man immer wieder zwischen Häuserreihen ein märchenhaftes Gleißen.
P. fragt, nach einem Stadtbummel, als sie dieses Schimmern sieht: “Oh, welches Bauwerk wird denn dahinten so schön angestrahlt?”
“Das ist der Todesstreifen.” antworte ich zerstreut. Dann merke ich, dass ich die Unterhaltung abgewürgt habe.

Aber wie soll man auf so eine Frage wahrheitsgemäß antworten, ohne die Stimmung zu verderben?

Grenzstreifung DDR (#3) – Klassenfahrt Teil II Ausflug nach Ost-Berlin

Der Tagesausflug nach Ost-Berlin stand an. Das war natürlich sehr aufregend. Die Warnungen unserer Eltern waren auch nicht einfach an uns abgeprallt und wir waren schon ein wenig besorgt. Wurde man tatsächlich sofort verhaftet, wenn man Anstecker oder, noch schlimmer, eine Tüte mit dem Aufdruck “Der Spiegel” trug? Wir riskierten nichts und ließen Badges, alle irgendwie beschrifteten Tüten, PLO-Tücher sowie andere verfängliche Gegenstände vorsichtshalber im Hotel.

Wir fuhren mit der U-Bahn zum Bahnhof Friedrichstraße, in dem sich der Grenzübergang befand. Dass wir die U-Bahn, nicht die S-Bahn nahmen hatte einen praktischen Grund. Eine unserer Mitschülerinnen hatte keine deutsche Staatsbürgerschaft und musste deswegen zum Checkpoint Charlie. Unsere Mitschülerin stieg an der der Kochstraße aus und ging von dort aus die Friedrichstraße entlang zum Grenzübergang, während wir anderen noch ein paar Stationen weiter zum Bahnhof Friedrichstraße fahren mussten.

Es gibt da übrigens widersprüchliche Aussagen, was den Bahnhof Friedrichstraße betrifft. Manchmal lese ich, dass der Grenzübergang auch von Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft genutzt werden konnte, dann wieder, dass diese Personen ausschließlich am Checkpoint Charlie in die DDR einreisen durften.

Wie dem auch sei, in den späten 70ern ging das nur über den Checkpoint Charlie*.

Vielleicht ist auch nicht allen bekannt (oder man hat’s mit dem Alter vergessen <g>), dass der Bahnhof Friedrichstraße in Ost-Berlin lag. Er wurde aber trotzdem mit Zug und U-Bahn aus dem Westen angefahren. Der Ost-Berliner Teil des Bahnhofs war durch eine Glaswand bzw. später eine Metallwand vom Westteil getrennt. An die Glaswand kann ich mich nur ganz undeutlich erinnern. Aber diese undurchsichtige Wand passte sich in den Bahnhof ein und fiel nicht so auf wie später die Metallwand.

Wenn man mit der U-Bahn fuhr waren zwischen Westteil und Friedrichstraße auch ein paar U-Bahnhöfe im Ostteil Berlins. Diese waren verschlossen; oberirdisch zugemauert und unterirdisch bewacht. Wenn man auf den entsprechenden U-Bahnlinien unterwegs war, kam an der letzten Station im Westen eine Durchsage, im Falle der U6 mit der wir unterwegs waren: “Kochstraße, letzter Bahnhof in Berlin-West”, da konnte sich dann jeder, der da nicht entlang fahren wollte aus der Bahn schwingen und für alle anderen ging’s weiter. Die U-Bahn fuhr dann an den verlassenen, schwach beleuchteten Stationen vorbei. Es war immer ein bisschen gruselig, so dass die Bezeichnung “Geisterbahnhof” wirklich hervorragend passte.

Auf youtube hat jemand ein Video von so einer Fahrt eingestellt. Leider ohne die tolle Ankündigung vorneweg:

Nach ein paar Stationen hielt die U-Bahn im Bahnhof Friedrichstraße und wir stiegen aus. Der Bahnhof war ein einziges Labyrinth, noch dazu auf mehreren Etagen. Ich weiß nur, dass wir da endlose Gänge entlang liefen bis wir bei der Passkontrolle landeten.

Die Dame am Schalter war kurz angebunden und guckte so oft zwischen Passbild und meinem Gesicht hin und her, dass ich mich schon fragte, ob mir eine zweite Nase gewachsen war. Da war auch ein Schild, das anzeigte, wo man hin musste, wenn sie einen durchsuchen wollten. Ich war echt eingeschüchtert vom Ambiente des Bahnhofs und dem Gebaren der dort Beschäftigten.

Nach der Passkontrolle musste man Geld umtauschen. Ich gab mein Geld ab und kriegte die gleiche Summe in Ostmark in einer durchsichtigen Plastiktüte zurück. Ich meine ja, es waren 10 DM, obwohl ich an verschiedenen Stellen gelesen habe, dass zu der Zeit der Mindestumtausch bei 6,50 DM lag. Im Prinzip ist das auch egal, für mich als Schülerin war das so oder so kein Pappenstiel.

Draußen vor dem Bahnhof trudelten wir dann alle nach und nach ein. Als wir vollständig waren liefen wir zunächst Richtung “Unter den Linden”, wo wir unsere ausländische Mitschülerin wieder trafen. Wir durften einen Blick die Allee hinunter zum Brandenburger Tor werfen und gingen dann in die entgegengesetzte Richtung. Das fand ich doof. Ich hätte das Tor gerne mal von vorne gesehen.

Wir durften kurz die Wachposten vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus (Neue Wache) bestaunen. Danach mussten durften wir ins Pergamon-Museum. Okay, das Wetter war nicht so doll, unser Lehrer unterrichtete u.a. Geschichte und das Pergamon war berühmt, aber in meinen Augen war das die blödsinnigste Aktion aller Zeiten. Wir waren nach Ost-Berlin gefahren, hatten die Möglichkeit den anderen Teil der Stadt zu besichtigen und gingen in ein Museum.

Der Aufenthalt ebendort schien auch ewig zu dauern, weil unser Lehrer stundenlang über Ausstellungstücke schwadronierte, die außer ihn keinen Menschen zu interessieren schienen. Ich meine, nicht mal die Streber, die immer noch eine intelligente Frage stellen müssen, damit sie bemerkt werden, damit der Lehrer sieht, dass sie mitdenken usw., selbst diese Arschkriecher hielten ausnahmsweise mal die Klappe.

Die ganze Museumsführung ging mir dann auch komplett zum einen Ohr rein und zum andern wieder raus. Ich weiß aus Büchern (!), was im Pergamon-Museum zu besichtigen ist, aber ich habe nicht mal den Hauch einer Erinnerung daran, diese Exponate tatsächlich einmal gesehen zu haben.

Irgendwann waren wir dann durch und durften raus. Es ging im Eilschritt runter von der Museumsinsel, so nach dem Motto “Hier der Dom, da der Palast der Republik”, keine weitere Erklärung, nur noch nix wie weg. Wir gingen zum Alexanderplatz und durften uns dann (endlich) eine Weile in kleinen Gruppen, unbeaufsichtigt von den Lehrern die Zeit vertreiben. Die meisten fuhren auf den Fernsehturm, was sich bei dem mistigen Wetter** bestimmt sehr gelohnt hat.

Ich war mit drei Leuten unterwegs und wir gingen erst einmal essen. Wo wir gegessen haben, weiß ich nicht mehr. Alles in dem Laden schien aus Resopal zu bestehen und es war da drin so gemütlich wie in einer Werkskantine. Was ich gegessen habe, weiß ich auch nicht mehr, aber über die Orangenbrause, die ich dazu bestellt hatte, kann ich das leider nicht sagen. Die schmeckte wirklich dermaßen grauenhaft, dass ich mich an den Geschmack heute noch deutlich erinnern kann. Das Zeugs schmeckte in etwa so wie billiges Spülmittel riecht.

Das soll jetzt nicht heißen, dass es sowas Scheußliches exklusiv im Osten gab. Im Westen gab es ein sogenanntes Fruchtsaftgetränk [sprich: gelb gefärbtes Wasser, an dem mal ein Stück Obst vorbeigeflogen ist], das schmeckte genauso. Eigentlich war das geschmacklich sogar noch fieser, weil keine Kohlensäure drin war. Bei dem Westgesöff war man aber vorgewarnt. Das sah schon aus als hätte einem jemand ins Glas gepinkelt, während die DDR Limo als lecker Brause getarnt war.

Nach diesem Geschmacksereignis liefen wir ein bisschen in der Gegend herum. Wo genau wir unterwegs waren, weiß ich nicht, aber je weiter wir uns vom Alexanderplatz entfernten, desto maroder sahen die Häuser aus. Wir wollten uns auch nicht ganz so weit entfernen, da keine von uns einen Stadtplan hatte und die Vorstellung hier “im Feindesland” verloren zu gehen, ließ uns gruseln. Stattdessen gingen wir zurück und sahen uns die Sehenswürdigkeiten am und um den Alexanderplatz an. Dabei entdeckten wir das Centrum Kaufhaus und witterten die Chance den Rest des zwangsumgetauschten Geldes quitt zu werden.

Als wir aus der Buchabteilung kamen, rannten wir prompt der Lehrerin in die Arme, die meinte “Ihr wisst schon, dass das alles ideologisch gefärbt ist?”. Heute fallen mir spontan gleich mehrere sarkastische Antworten auf diese rhetorische Frage ein, aber damals hielten wir natürlich die Klappe und guckten unschuldig, zumal ein Mädchen aus unserer Gruppe und ich sowieso schon wegen der Aktion mit der Besucherplattform angezählt waren.

Ich habe letztendlich ein paar Postkarten und ein Fläschchen Ausziehtusche gekauft. Den Rest des Geldes haben wir Jugendlichen gegeben, die in der Nähe des Grenzübergangs herumliefen.

Zur Ausreise ging es durch den Tränenpalast. Da war dann die Zollkontrolle und eine Passkontrolle, wo sie einem das Visum, das man bekommen hatte, wieder abnahmen. Danach ging es durch irgendeine Tür wieder in dieses Labyrinth von Bahnhof und runter zur U-Bahn. Es stiegen einige Leute ein, die Tüten mit Schnapsflaschen und Zigarettenstangen bei sich hatten. Wir guckten wohl doof und die Lehrer erklärten uns leise, dass die sich verbotenerweise im Intershop günstig mit Schnaps und Zigaretten eingedeckt hatten. Wenn sie der Zoll erwischte, hätten sie mächtig Ärger. (Betonung auf natürlich auf “verbotenerweise” und “mächtig Ärger”, damit wir gar nicht erst auf blöde Gedanken kamen.) Die Leute, die mit uns an Bord waren, hatten Glück, es wurde nicht kontrolliert.

Nachdem wir den ganzen Tag herumgelaufen waren, waren alle erschöpft und froh als wir endlich wieder im Hotel ankamen.

* In den späten 70ern hatte der Checkpoint Charlie übrigens nur entfernte Ähnlichkeit mit der gleichnamigen Touristenattraktion, die man heute an gleicher Stelle findet. Man muss sich die Souvenirhändler, die Cafés, die Werbetafeln, den Trubel, die Touristen und die in Uniform posierenden Studenten wegdenken. Die Fassaden der Häuser entlang der Friedrichstraße waren grau und sahen renovierungsbedürftig aus.
Das Häuschen mit den Sandsäcken davor, das dort jetzt steht, ist ein Nachbau des ersten Kontrollhäuschens aus den frühen 60ern. In den späten 70ern stand da ein rechteckiger Kasten mit Glastür ohne Sandsäcke. Ein Schild mit der Information, dass man den amerikanischen Sektor verlässt stand auch ungefähr da, wo heute das nachgemachte Schild steht.
Dahinter, ein Stück die Straße hinunter war dann die Mauer und ein Schlagbaum. Der Übergang wurde mit den Jahren auf der Ostseite immer weiter ausgebaut, so dass das irgendwann richtig nach Grenzübergang aussah mit mehreren Spuren für Kraftfahrzeuge usw.. Im Westen stand immer nur eine kleine, hässliche Butze.

**Das Wetter ist übrigens nicht nur in meiner Erinnerung extrem scheußlich. Ich war neugierig, ob ich das nach der langen Zeit verzerrt wahrnehme und habe nach alten Wetterdaten gesucht: “Im Herbst 1978 herrschte häufig ungewöhnlich trübes Wetter. Die Sonnenscheindauer erreichte mit 3219 Stunden den niedrigsten Wert in den 28 Jahren, im Mittel gibt es in den drei Monaten 100 Stunden mehr Sonne.”
(Quelle: http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt01/0106doka.htm)

Grenzstreifung DDR (#2) – Klassenfahrt nach West-Berlin

1978 führte mich eine Klassenfahrt nach Berlin. Viel ist mir von dieser Reise nicht im Gedächtnis geblieben, aber dafür stechen die Details, an die ich mich erinnere, umso klarer hervor.

Nach all den Schauergeschichten und den Warnungen, uns bei Grenzkontrollen bloß anständig zu benehmen, befanden wir uns in einem Zustand zwischen gespannt und angespannt. Würde man uns verhaften, verhören, unsere Abteile auf den Kopf stellen? Wie würden die Sperranlagen aussehen? Wie würde die **DDR** [Ostzone, drüben] aussehen?

Dummerweise waren wir nicht mit einem Bus unterwegs, sondern mit dem Zug. D.h. der Grenzübergang erfolgte an einem regulären Bahnhof, an dem die Grenzzäune kaum auffielen. Es stiegen Uniformierte ein, die unsere Reisepapiere kontrollierten und dann den Rest der Fahrt nicht mehr gesehen wurden. Das war also eher unspektakulär.

Die Fahrt durch die DDR an sich, war auch nicht der Brüller. Die Landschaft draußen bestand überwiegend aus Baumbestand, ab und zu sah man in dem regnerischen Grau Leute in Uniform herumstehen und einmal sahen wir – wow – ein Geländefahrzeug. Das war also im Prinzip eine langweilige Angelegenheit, aber wir fanden das trotzdem aufregend.

Einige tausend Bäume später kamen wir in Berlin am Bahnhof Zoo an. Der Bahnhof war gerade erst durch den “Stern”-Vorabdruck von “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” zum Synonym für Sodom und Gomorra geworden. Unsere Lehrer scheuchten uns hektisch durch den dreckigen Bahnhof Richtung U-Bahn, um uns bloß von den Gefahren der Großstadt fernzuhalten, während wir Schüler nach den Gefahren der Großstadt Ausschau hielten.

Danach waren wir gespannt auf’s U-Bahnfahren, etwas, das die meisten von uns noch nie erlebt hatten. Es stellte sich heraus, dass U-Bahnfahren genauso war wie Straßenbahnfahren, nur ohne Aussicht.

Das Spektakulärste, was wir an diesem Tag zu sehen bekamen, war der häßliche Bunker in Schöneberg.

[Hier bin ich übrigens etwas verwirrt: ich bin sicher, dass es sich um den Sportpalast-Bunker gehandelt hat, zumal man uns berichtete, das Ding sei nicht zu sprengen , außer man jage halb Schöneberg mit in die Luft. Der Sozialpalast, der laut Quellen 1977 gebaut wurde, war aber, glaube ich, noch nicht fertig. Dieser merkwürdige Überbau wäre mir doch ins Auge gestochen und da war nichts - außer einem häßlichen Hochbunker eben. Es war ganz sicher 1978, weil wir uns, wegen des Christiane F Buches vor dem Bahnhof Zoo graulten. Hatte ich Knöppe auf den Augen oder war der Bunker-Überbau erst Ende 1978 fertig? Vielleicht liest das ja zufällig mal jemand, der da Genaueres weiß.]

Am nächsten Tag sahen wir dann erstmals Berlin bei Tageslicht, obwohl die Bezeichnung “Tageslicht” eigentlich geprahlt ist. Es herrschte fast die ganze Zeit, die wir in Berlin waren trübes, regnerisches Wetter, das die Stadt in graues Zwielicht tauchte.

Zunächst waren wir beeindruckt wie groß Berlin war. Wenn man aus einer Stadt mit nicht ganz 150.000 Einwohnern kommt, kann man sich nicht vorstellen, wie eine Stadt mit knapp über 3 Mio. Einwohnern aussieht. Ganz zu schweigen davon, dass es in Berlin alles Mögliche gab, was es bei uns nicht gab. Das Europa-Center fanden wir beeindruckend. Damals stand noch nicht an jeder Ecke ein Einkaufszentrum. Dann gab es in der Stadt Plattenläden, in denen sie nicht nur die Hitparadenheuler verkauften oder Buchläden, die Undergroundcomics führten. Und dann gab es Merkwürdigkeiten wie z.B. Peepshows (Peepshows! Peepshows, du meine Güte!). Wenn wir an Eingängen zu selbigen vorbeigehen mussten, kriegten die Spießer in der Klasse rote Ohren, während die Neugierigen zumindest versuchten aus den Augenwinkeln einen Blick auf diesen Sündenpfuhl zu werfen, während die Lehrer uns weiterscheuchten. (Was waren wir nur für *Provinzler*, wie peinlich!)

Außerdem gab es in Berlin die Mauer (man muss das wirklich fettgedruckt schreiben). Erstmal guckten wir doof, weil dieses, mit mehr oder weniger fantasievoller Graffiti verzierte Betondingens (Kilroy war auch da) völlig bizarr war.

Während man durch die Stadt lief, stand man immer wieder einmal vor dieser Wand. Was auf der anderen Seite war, blieb zunächst einmal mysteriös bis auf den Fernsehturm, der weithin gut sichtbar war.

Ich weiß nicht, ob wir gleich am ersten Tag zu der merkwürdigen Stadtrundfahrt aufbrachen, die ich für mich “Tour des Grauens” nenne, obwohl sie vermutlich einen anderen Namen hatte. (Da ich nicht weiß, wer der Veranstalter war, lasse ich diese Bezeichnung einfach mal so stehen) Man wurde an die deprimierendste Orte, die West-Berlin zu bieten hatte, gefahren und dann hörte man dort einen Vortrag über das Elend, das sich an diesem Ort zugetragen hatte oder immer noch zutrug. Wie bereits erwähnt, wir hatten dieses trübe Wetter, was allem einen zusätzlichen Schuss Tristesse verlieh.

Im Rahmen der Stadtrundfahrt sah man damals auch ein paar der Sehenswürdigkeiten, die heute bei einer typischen Stadtrundfahrt nicht fehlen dürfen – z.B. das Reichstagsgebäude. Das Ambiente war allerdings, gelinde gesagt, ein wenig anders. Das Reichstagsgebäude sah ziemlich mitgenommen aus und stand zwischen Mauer, Spree und einer matschigen Wiese, an deren anderem Ende das Carillon stand. Wir standen neben der Mauer, sahen uns das Gebäude an und hörten vom Reichstagsbrand und von der Kristallnacht.

Dann gingen wir hinunter zum Spreeufer, wo die Grenze verlief. Ein Patrouillenboot fuhr auf und ab und wir wurden mit großer Ausdauer durch Feldstecher beobachtet. Am anderen Spreeufer gab es außer eine großen Brache nichts zu sehen. Wir sahen uns also das Boot und die Brache an, während man uns von den Menschen berichtete, die ertrunken waren, als sie durch die Spree flüchten wollten.

Bei dieser Tour besuchte man übrigens auch das Märkische Viertel. Die letzten Häuser waren erst ein paar Jahre zuvor fertig geworden und die Baumbepflanzung war noch recht neu. D.h. da standen nur ein paar dürre, an Stützpfosten gebundene Bäumchen, die kaum Blätter hatten. Wir sahen schier endlose Reihen von Beton.

Wohnhochhäuser waren uns generell nicht vertraut, erst recht nicht Wohnhäuser in denen man zehntausende von Menschen verstauen konnte. Man erzählte uns, dass dies ein ganz schreckliches Viertel war, sozialer Brennpunkt in dem Arbeitslosigkeit, Alkoholsucht und Selbstmorde an der Tagesordnung waren. Alles war betongrau, die Häuser, der Regenhimmel und mittlerweile nahm auch meine Stimmung eine düstere Farbe an.

Richtig schlimm fand ich die Bernauer Straße. Dort war damals noch die alte Mauer, die aus Fassadenresten der dort ehemals stehenden Häuser bestand. Die Fensterhöhlen waren natürlich zugemauert. Der Bus hielt zunächst bei der Versöhnungskirche. Die Kirche schien einfach hinter einer Kirchhofmauer zu stehen und Blattwerk kaschierte den Anblick ein bisschen. Ich habe das in dem Moment gar nicht richtig verstanden, dass sie da einfach die Kirche eingemauert hatten.

Anschließend ging es dann dahin, wo die Bernauer Straße zur Eberswalder Straße wird und die Mauer einen Knick nach Norden machte (also dahin wo heute der Mauerpark ist). Diese Ecke war sehr beliebt und da stand eine große Besucherplattform.

Ich war so schockiert, dass ich den Anblick auch jetzt noch problemlos aus meinem Gedächtnis abrufen kann. Rechts die Fassadenreste mit den zugemauerten Fensterhöhlen und dann stand da eine Betonwand quer über die Straße hinweg. Die Häuser auf der anderen Seite der Mauer konnte man auch sehen. Sie wirkten düster und es sah da wirklich aus, als wäre der Krieg gerade erst vorbei gewesen. Ich dachte auch einen Moment, in den Häusern auf der anderen Seite wohne niemand, dann nahm ich die Vorhänge wahr. Über dieser Mauer aus Fassadenresten, diesen düsteren Häusern hing ein Himmel, der mittlerweile die Farbe von Blei hatte. Ich fühlte mich nur noch niedergedrückt und beklommen. Und während ich da noch erschüttert stand, wurde mir klar, dass unsere Lehrer erwarteten, dass wir auf die Plattform kletterten, um einen Blick über die Mauer hinweg zu werfen.

Ich war schlagartig im Zwiespalt. Einerseits war ich damals sehr schüchtern und versuchte möglichst nicht aufzufallen. Aber es widerstrebte mir, den Menschen, die da auf der anderen Seite wohnten in die Wohnung zu glotzen oder ihnen bei ihren Besorgungen zuzusehen. Das schien mir völlig pervers. Die ersten aus der Klasse waren auch schon oben und zeigten auf was immer es da zu bestaunen gab. Als wären die Leute auf der anderen Seite der Wand taub und blind oder einfach nur doof.

Glücklicherweise versuchte ich nicht alleine mich zu drücken, sondern da waren noch 4-5 Mitschüler, die zweifelnd auf das Spektakel blickten. Unser Klassenlehrer meinte jovial “Ja, nun mal rauf mit euch. Tut mal was für die Bildung.” Die Frechste aus der Gruppe sagte, dass sie nicht so an Zoobesuchen interessiert sei und der Lehrer lief dunkelrot an. Dummerweise stellte sich auch noch die Klassenbeste und Klassensprecherin zu uns und da wollte er nicht so loszetern. Stattdessen sagte er, wir wären ja mal richtige “Dissidenten”. Bis heute weiß ich nicht, ob er das aus bloßer Gedankenlosigkeit rausgehauen hat oder ob der Mann ein ganz fieser Zyniker war.

Wir Plattformverweigerer hatten noch ein bisschen Angst, dass da etwas nachkommen könnte, doch richtigen Ärger kriegten wir nicht, wohl weil die Klassenbeste ins unseren Reihen war. Aber die Lehrer erzählten uns wiederholt, dass wir uns in Ost-Berlin, das in den nächsten Tagen auf dem Programm stand, solchen Blödsinn nicht leisten konnten. Da würde man nämlich sofort verhaftet, ins Gefängnis gesteckt und von der Stasi verhört, wenn man sich daneben benahm.

Aber der Ausflug nach Ost-Berlin ist eine Geschichte für sich.

DDR-Subkultur: Mein Kind, du könntest die Zukunft verpassen

Ich habe in Schattenzwergs Sandow-Blogpost einen Aufhänger gefunden, mit dem ich mich zu einer meiner Lieblingsbands hangeln kann. (Sorry, Hannibla, jetzt wird es ziemlich experimentell!)

Laut Ronald Galenza, fand der erste Auftritt der “Freunde der italienischen Oper” (jedenfalls unter diesem Namen) am 7.10.1988 (Tag der Republik) im Klub Südstadt in Cottbus statt und zwar weil Mario Locke, der zu der Zeit Sandow managte, alle Augen zukniff und sie ohne “Pappe” (sprich: Spielerlaubnis) auftreten liess.

Die “Freunde der italienischen Oper” spielten unter verschiedenen Besetzungen, verschwanden für Jahre von der Bildfläche, obwohl Mitwirkende nach wie vor tätig sind und durch zum Teil äußerst schräge Projekte auffallen, allen voran bestimmt Roger Baptist, der zu Rummelsnuff mutierte, als er  sich die Maße eines kleinen Schranks antrainierte und eine ulkige Gummimütze angezog.  (Die Fotos auf der Seite haben übrigens Ray van Zeschau aka R.J.K.K. Hänsch (Freunde der italienischen Oper) und Sven Marquardt (Fotograf in der DDR-Untergrundszene) gemacht.)

Leider wurden die “Freunde der italienischen Oper” nie so bekannt, wie sie verdient hätten – für den Mainstream ist die Musik allerdings eh nicht so geeignet.
Sie sind widerborstig in Klang, Text und Performance. Aber die Musik rockt wie Sau.

Hier eine Videoaufnahme von dem Auftritt am 17. November letzten Jahres in Leipzig, anlässlich des “Wir können auch Anders” Events im Centraltheater Leipzig.
Das Stück heißt übrigens “People Run To Fun”

Es gibt auch eine “Freunde der italienischen Oper” Seite auf Myspace. Auf dem Player gibt’s verschiedene Stücke zu hören, darunter eins meiner Lieblingsstücke der Freunde: “Run My Love”.

Wir gehen den Weg der Erkenntnis,
der keinen Anfang und kein Ende hat
Komm’ wir gehen zum Schafott
Komm’ wir gehen in den Tod
Die Hölle ist nah
Wir sind alles verfickte Todesmaschinen

“Run my Love” – Freunde der italienischen Oper

Grenzstreifung DDR (#1)

Obwohl ich Westdeutsche bin, war die DDR bei uns ein großes Thema, vor allem in den 60ern. Zu meinen frühesten Erinnerungen zählen die Unterhaltungen meiner Familie über die Verwandten in der DDR. Dort lebte nämlich die gesamte Familie väterlicherseits mit Ausnahme meiner Großeltern, die es schon vor dem zweiten Weltkrieg in den westlichen Landesteil verschlagen hatte.
Zu der Verwandtschaft hatte man regen Kontakt in Form von Briefen und Paketen, nur Besuche gab es keine. Weder meine Großeltern, noch meine Eltern hätten je freiwillig die DDR betreten. Nicht einmal Westberlin wurde besucht, denn um da hin zu kommen hätte man ja  durch die DDR hindurch (oder im Flieger drüber weg) gemusst. Und das war für meine Familie das Grausigste, was sie sich vorstellen konnte.

Obwohl die DDR also häufig Thema war, wurde die Bezeichnung “DDR” nicht benutzt. Nie. Es war nicht verboten, wie beispielsweise “Scheiße” (Kind, woher hast du solche Ausdrücke?) zu sagen. Die Bezeichnung existierte schlichtweg nicht.
Es war ein Verleugnen der Fakten, vielleicht die Hoffnung, dass etwas von selber weggeht, wenn man es ignoriert, so wie ein Kleinkind denkt, man sieht es nicht, wenn es sich die Augen zuhält.

Dieses Nichtaussprechen hatte sich in den 60ern eingebürgert  und in den 80ern war es so verfestigt, dass die Bezeichnung “DDR” in der Familie dauerhaft aus dem Vokabular gestrichen war.

Aber das war  natürlich eine Zwickmühle: wollte man sich über die Angehörigen unterhalten, musste man eine Bezeichnung für dieses Land finden.
Dummerweise konnte man sich weder auf eine einheitliche Bezeichnung, noch auf eine einheitliche Schilderung der Umstände dort einigen, so dass ich als Kind dachte, meine Großeltern und Eltern sprächen von völlig unterschiedlichen Orten.

Der erste Begriff, den ich kennenlernte war:

Ostzone

Ich war so klein, als ich den Begriff kennenlernte, dass ich nicht mal weiß, wie alt ich da war. Den Erzählungen meines Opas entnahm ich, dass man seine Eltern und Geschwister nach dem Krieg in besagter “Ostzone” eingesperrt hatte. Dort hatten sie kaum Kleider, kein Essen und wohnten ausnahmslos in “Bruchbuden”.  Das einzige, das mir zu diesen blumigen Schilderungen einfiel waren Erzählungen über die Kriegsgefangenenlager in denen meine Großväter gewesen waren. Warum die gesamte Geschwisterschar meines Opas allerdings in einem Kriegsgefangenenlager gelandet war und warum man sie, anders als meine Großväter nicht wieder raus ließ, war mir völlig schleierhaft.

Meiner Mutter war es immer höchst peinlich, dass mein Opa hartnäckig bei der Bezeichnung “Ostzone” blieb, bis zu seinem Tod in den späten 80ern. Nicht, dass meine Mutter aufgeschlossener war, aber “Ostzone”, das war ihr zu direkt.
Ihre Lieblingsbezeichnung war

drüben

Das ist nicht zu verwechseln mit dem beliebten “Geh doch nach drüben”, das mir vor allem in den 80ern häufig in den Ohren klang.  Du bist gegen Atomkraftwerke? Geh doch nach drüben! Du maulst über die aktuelle Politik? Geh doch nach drüben! Du bist auf der Bonner Friedensdemo gewesen? Geh nach drüben, du Kommunistensau! (O-Ton)  Das war die  Argumentation meines Vaters, wenn er keine Argumente hatte. Sehr überzeugend, aber wie gesagt, es geht um ein anderes “drüben”.

Es ist ein vages “drüben”, wie in “Ja, die drüben haben’s nicht leicht.”, “Der Pullover wird dir ja auch schon wieder zu klein. Den schicken wir nach drüben.”
“Drüben” – das war so windelweich und unklar, dass ich mir überhaupt nichts darunter vorstellen konnte. “Drüben” war ein anderes Land, aber das hätte auch Österreich sein können oder Frankreich.

Dann gab es noch

Osten

Der Begriff “Osten” war gebräuchlich, wenn die Nachbarin, die Verwandtschaft in Sachsen hatte, da war und man gemeinsam Westpakete packte. Das fand ich als Kind ja so toll, diese Pakete zu packen. Den Unterhaltungen zwischen meiner Mutter und der Nachbarin entnahm ich, dass im Osten Familienangehörige wohnten, die nett waren und bettelarm. Wenn wir ihnen keine Pakete schickten, mussten sie von Wasser, Brot und Weißkohl leben und sich in Jutesäcke kleiden.
Je älter ich wurde, desto merkwürdiger kamen mir allerdings einige dieser Aktionen vor: Warum musste man die Geldscheine verstecken? Wenn die Verwandten nichts zu essen hatten, wäre es dann nicht sinnvoller gewesen Lebensmittel wie Brot, Wurst und Gemüse zu schicken anstatt Kaffee, Seife, Schokolade und Nylonstrümpfe? Klar, ab und an schickten wir gut erhaltene Kleidung zum Auftragen, aber davon kleidete man keine ganze Familie ein. Und wieso schickten sie Weihnachten selbstgebackenen Stollen und Häkeldeckchen, wenn sie nichts hatten?

Übrigens, als ich gerade lesen konnte bekam ich von der DDR-Verwandtschaft ein Märchenbuch geschenkt. Ich fing gerade an mich zu freuen, da rissen meine Eltern das Buch an sich, weil sie es erstmal durchsehen wollten, damit ich nicht durch “kommunistische Propaganda vergiftet” würde. Unter kommunistischer Propaganda konnte ich mir nichts vorstellen, aber “vergiften” war klar und wenn man wie im Märchen nicht nur Äpfel sondern auch Gebrauchsgegenstände (Kämme, Spindeln etc.)vergiften konnte, warum nicht auch Bücher? Mir standen die Haare zu Berge und ich wollte dann auch keinen Stollen mehr essen, weil man ja offenbar mit allem rechnen musste.
Das war dann auch wieder nicht richtig “Nun iss doch was, deine Tante hat sich so eine Mühe gegeben!”
Ich habe dann nachgefragt, wieso das Märchenbuch gefährlich war und der Stollen nicht und bekam das übliche “Das verstehst du noch nicht.” als Antwort.

Einmal, ich kann nicht älter als 7 gewesen sein, gab es auch eine kurze Begegnung mit der

GRENZE!!!

Wir waren im Urlaub in der Gegend östlich von Fulda und hatten uns beim Wandern verlaufen. Auf einmal schoben meine Eltern Panik, denn da war die GRENZE!!! Meine Erinnerung daran ist schwach: das Waldgebiet, durch das wir gegangen waren, wurde plötzlich von einer breiten Schneise durchschnitten. Da standen Schilder und in der Ferne war ein großer Zaun. Ich hörte “Minen” und “erschießen”. Ich wusste, was eine Mine war, denn in irgendeiner Folge von “Flipper” kam so ein Ding vor (Ich hatte mich davor so gegrault, dass ich danach mehrere Nächte nicht einschlafen konnte).  Meine Eltern rannten also wie die Hasen zurück in den Wald, mich an der Hand hinter sich herschleifend. Ich hatte keine Ahnung, was los war, aber ich hatte große Angst.

Natürlich war mir irgendwann auch “DDR” ein Begriff, wie gesagt, wir hatten einen Fernseher. Allerdings wurden Fernsehbeiträge von der Familie kommentiert. Das ging ja ohne Namensnennung. Das waren einfach “die”. Bei der DDR handelte es sich um ein benachbartes Land, auf das man nicht gut zu sprechen war. Sie hatten gute Sportler, die alle Medaillen abräumten, aber das lag nur daran, dass die Sportler durchweg schummelten. Außerdem gab es eine Fernsehsendung: “Der Schwarze Kanal”. Dort wütete ein bebrillter Mann gegen unser Land und alle Menschen in der DDR glaubten, was er erzählte, hassten uns deswegen und man musste immer damit rechnen, dass es Krieg gab weil “die” völlig verblendet waren.

In der Schule wurde die DDR auch kaum erwähnt. In der Grundschule sowieso nicht. Irgendwann in der Mittelstufe wurde das Thema auch eher am Rande im Politikunterricht angesprochen.
Ich hätte also ohne Probleme doof sterben können. Vermutlich erschossen von den Schwarzen-Kanal-Guckern drüben aus dem Osten, hinter der GRENZE!!!

Allerdings interessierten mich aber von jeher Themen, die anderen oft unangenehm sind. Dieses nicht nachfragen, dieses nicht darüber reden dürfen, waren deutliche Hinweise, dass etwas Interessantes vorging. Ich habe angefangen über das Thema zu lesen, Bücher wimmelten mich nicht ab.
Die Ostzone, drüben, den Osten, die DDR bekam ich erst viel später zu sehen.

Einfach nur so …

War mir gerade nach

1986 – eine Reise nach Leningrad und Moskau

Da die Bördebehörde um Klärung eines Sachverhaltes gebeten hat, will ich mal meine Akten (sprich: Reisenotizen) bemühen.

Die Tatsache, dass man von Westdeutschland in die UDSSR flog, war jetzt nicht so spektakulär. Im Rahmen der Devisenbeschaffung hatten sowohl Aeroflot als auch Interflug ganz hervorragende Angebote. Trotzdem wäre ich jetzt nicht so spontan darauf gekommen nach Leningrad und Moskau zu fliegen, hätte ich nicht eine Freundin gehabt, die Russisch studierte. Über die Uni kam sie an Angebote von Intercontact, die, in Zusammenarbeit mit Intourist, Studienreisen anboten: Bustransfer nach Ost-Berlin, Flug nach Leningrad, Zugfahrt nach Moskau, von wo aus man auch zurückflog und natürlich jede Menge Programm.
Die Reise war sehr preisgünstig, zumal die Hauptzielgruppe Studenten waren und ich dachte zuerst, dass das vielleicht peinlich wird – meine Kenntnisse der russischen Sprache beschränkten sich auf die wichtigsten Ausdrücke. Bei Reiseantritt stellte ich aber dann fest, dass ich nicht die einzige Nicht-Studentin war.

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Hier die Highlights der Reise :

Da war zuerst einmal das kaputte Kofferfließband im Flughafen von Leningrad. D.h. die Gepäckstücke plumpsten aus dieser Transportröhre auf einen Haufen und alle Leute preschten los, wie zum Sommerschlußverkauf und wühlten sich ihre Koffer aus dem Gepäckberg.

Bei einer Frau aus unserer Gruppe wurde das falsche Röntgenbild auf dem Schirm angezeigt. Sie hatte definitv keine drei Armbanduhren im Koffer. Der Kontrolleur ließ sich überhaupt nicht irritieren, packte ihren Koffer aus, bemerkte seinen Irrtum, *entschuldigte sich vielmals* und **packte den Koffer wieder ein**!

Wir verließen mit 5 (in Worten: Fünf) Stunden Verspätung das Flughafengebäude, wo bereits unsere Reisebegleiterinnen für Leningrad, die beide Natascha hießen, auf uns warteten. O-Ton der einen Natascha “Ich bin *sehr froh* euch begrüßen zu dürfen.”

In der Nähe des Newski-Prospekt verirrten meine Freundin und ich uns in ein Tanzlokal. Der Einlass war chaotisch – erst durften wir nicht rein, dann doch (vielleicht merkte der Türsteher mit der Pelzmütze, dass wir zu doof waren ihm Westgeld zur Bestechung anzubieten. Echt, auf die Idee sind wir in dem Moment gar nicht gekommen.), dann sollten wir Mäntel abgeben, oder, nee, doch nicht. Zwei Jungs wollten uns zum Sekt einladen und ließen sich überhaupt nicht abwimmeln. Dann spielte eine Tanzkombo auf und der Hammerhit des Abends, bei dem die versammelte Jugend die Tanzfläche stürmte, war “Life is Life”. Gespielt von Herren in weißen Dinnerjackets. Es war recht surreal und nur mit Alkohol zu ertragen. Auf dem Rückweg zum Hotel stimmte ich “Knülle im Politbüro” an, zum einen weil’s gut passte und zum anderen, um dieses “Life is Life” aus dem Kopf zu kriegen.

In das zoologische Museum kamen meine Freundin und ich trotz der langen Schlangen von Leuten, die ebenfalls hinein wollten, in Rekordzeit, weil wir so taten, als würden wir zu einer Reisegruppe aus Sachsen gehören. Glücklicherweise mußten wir nichts sagen. Ich kann nicht sehr überzeugend sächseln.

Ich bin in Moskau mit Wodka ganz schlimm krachen gegangen. Immerhin stellte ich fest, dass ich unter Wodka-Einfluß kaum Schwierigkeiten habe, Russisch zu sprechen und dass auch das Papirossyfalten wesentlich einfacher ist. Dafür hapert es mit dem Aufstehen. Die Tische im Rossija sahen von unten nicht spannender aus als von oben, aber die ungewohnte Perspektive fand ich schon interessant.

In den Kaufhäusern GUM und TSUM, die heute Luxusartikel führen, gab es damals kaum etwas zu kaufen. Die leeren Auslagen wirkten seltsam in der prunkvollen Architektur des GUM, mit ihren Bögen, Brücken und Gallerien. Im TSUM kaufte ich meinen Lenin-Anstecker.

“Der Barbier auf Sevilla” hörte sich auf Russisch gesungen irgendwie eigenartig an. Diese Aufführung des Bolschoi Operensembles sahen wir im Kongresssaal des Kreml. In der Pause waren im Foyer Büffettische aufgebaut. Vor dem Apfelsinensafttisch und dem Eiskremtisch warteten ungefähr jeweils 2000 Leute. Da bei den Lachsbrötchen nur ca. 800 Leute standen, gab’s für mich Lachs.

Am Arbad gingen wir Eis essen, das fantastisch war und tranken dazu einen Saft zweifelhafter Sorte. Das Getränk war Müllmannwesten-Orange und absolut geschmacksneutral.

In Leningrad waren wir im Hotel Pribaltiskaya, das es auch heute noch gibt, untergebracht. Das Hotel war groß, modern eingerichtet, mit der Zielgruppe Westtouristen und, so wird im Nachhinein berichtet, verwanzt bis unters Dach. In der Bar saßen Prostiuierte, die es offiziell genausowenig gab, wie irgendwelche Abhörvorrichtungen.

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Als wir da waren, war es -20°C und die Ostsee war zugefroren. Für dieses Foto stehe ich auf dem Eis.

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Dass das Fotos so merkwürdig aussieht hat verschiedene Ursachen: der Film wurde 1986 entwickelt und die Abzüge gammeln seither in Schuhkartons vor sich hin. Eingescannt und, damit man auf dem nachgedunkelten Bild überhaupt etwas erkennt, nachbearbeitet, kam dann sowas dabei heraus:

In Moskau wurden wir im Hotel Rossija, dass mittlerweile abgerissen wurde, untergebracht. Ein Riesenklotz im Stalin-Zuckerbäckerstil, das größte Hotel Europas, auch auf Westkundschaft ausgerichtet direkt neben dem Kreml. Allerdings wirkte es deutlich piefiger als das jüngere Pribaltiskaja und auch hier soll der KGB mitgehört haben. Als sich meine Freundin und ich nach dem übertriebenen Wodkagenuß die Seele aus dem Leib kotzen, muss es sich für eventuelle Lauscher angehört haben, als hätten wir waidwunde Elche im Zimmer.
Auch dieses Hotel habe ich nicht gerade von der Schokoladenseite aufgenommen:

Wiedergefunden: Interflug

Ich hatte keine komplette Interflugmaschine in Einzelteilen im Keller, aber immerhin ein Foto. Das war im März 1986 am Flughafen Schönefeld, kurz vorm Abflug nach (damals noch) Leningrad.

Der Flug war durchaus unterhaltsam. Die Türen waren von innen vereist, wie ein Kühlschrank, der dringend abgetaut werden müsste. Das soll wohl normalerweise nicht sein.

Die Stewardessen waren, glaube ich, auch vereist. Die bewegten sich irgendwo so zwischen kühl und pampig. Man servierte uns Kartoffelsalat und jede Menge Aufschnitt, viel zu viel für die 2 kleinen Scheiben Brot.

Wiedergefunden: Badges

Eine Post vor allem für den Kollegen bei der Bördebehörde.

Badges 80er Jahre

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Diese Badges zierten vor vielen Jahren eine olle Herrenjacke, die ich von meinem Opi geerbt hatte. Die Jacke war mir zu groß, also mußte ich die Ärmel ein Stück hochkrempeln, so dass man das aparte Streifenmuster des Innenfutters sehen konnte.

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Die Sammlung ist leider nicht vollständig:
Ein metallener Anstecker vom Reichstag (1978) fehlt, der aber hoffentlich noch in irgendeiner Tüte oder irgendeinem Karton wieder auftaucht.
Mein Dead Kennedys Badge habe ich damals schon verloren. Da war nur noch dieses Drahtdings an meinem Revers.


Was man so wiederfindet …

Beim Einpacken der Kartons sind mir auch ein paar Relikte aus alten Zeiten in die Hände gefallen. Alte Badges, die Anzugjacke, die mal meinem Opa gehörte und Kassetten, jede Menge Kassetten.

Whatever happened to the heroes?

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The Stranglers, 1977 in Amsterdam, als sie noch richtig gut waren:

http://www.youtube.com/watch?v=sqHjwWz4JN4

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