Am 26.4. jährt sich der Reaktorunfall in Tschernobyl. Die letzten Tage habe ich ein wenig zum Thema gelesen und selbst im Zusammenhang mit dieser Katastrophe habe ich 2 völlig absurde Medienereignisse (wieder)gefunden.
Erste Meldungen gab es am 28.4.1986, als die Schweden schon anfingen ihre KKWs auf mögliche Strahlungslecks zu überprüfen. Die TASS berichtete vage von einem Unfall. Am 29.4. wurde dann offenbart, dass es zum Super-GAU gekommen war.
Und was durften wir im Fernsehen von Innenminister Friedrich “Old Schwurhand” Zimmermann erfahren? “Eine Gefährdung besteht nur in einem Umkreis von dreißig bis vierzig Kilometer um den Reaktor herum. Dort ist sie hoch.“
Wohlgemerkt, das war am 29.4.. Die Informationen aus der UDSSR waren spärlich. Es war nur klar, dass eine Kernschmelze stattgefunden hatte, dass Radioaktivität freigesetzt worden war und dass Menschen in der unmittelbaren Nähe des Reaktors evakuiert wurden. Recht magere Fakten für so eine vollmundige Verlautbarung und ein starkes Stück.
Der zweite Knüller kam etwa 1 Jahr später, da hatte nämlich Alfred Dick, Umweltminister von Bayern seinen großen Auftritt. Es ging um die sogenannte “Strahlenmolke”, Trockenmolke aus kontaminierte Milch, von der man nicht wußte, wie man sie loswerden soll. Herr Dick ging mit leuchtendem Beispiel voran und verspeiste vor laufender Kamera einen Löffel von dem Zeug. Damit wollte er beweisen, dass das nichts schadet.
Äh …. was?
Wenn irgendjemand versteht, was der Herr Dick uns damit sagen wollte, der möge kommentieren. Ich verstehe es nämlich bis heute nicht.
Dass man von einem Löffel des kontaminierten Molkepulvers nicht sofort Blasen schlägt und die Haare verliert, sollte jedem klar sein, der sich zumindest einmal ansatzweise mit radioaktiver Strahlung befasst hat.
Aber es ging darum, ob man dieses Zeug als Tierfutter verwenden, sprich, es in den Nahrungskreislauf einbringen kann. Kein Problem, völlig ungefährlich, weil Herr Dick war ja nicht tot umgefallen nach dem Löffel Krebs auf Raten.
Alles war gut und völlig ungefährlich.
Außer man war weniger als 30-40 km von Reaktorblock 4 entfernt, natürlich.